Advents & Weihnachtsblog

 

Hier finden Sie während der Advents und Weihnachtszeit Geschichten & Inspirationen zum Lesen oder vorlesen. Geschrieben von Gastautorinnen, oder mir.

Nehmen Sie sich Zeit und geniessen Sie es einfach. Tauchen Sie ein in die Welt der Märchen und Träume.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen.

Ihre Cristina Wunder

                

 

 

 

 

 

 

 

http://images.suedtirolnews.it/uploads/pics/engel-kerze-sym_Hans-Heindl-pi_03.jpg

 

 

 

Eine Weihnachtsgeschichte

 

Es war einmal ein Engel der wollte unbedingt wissen, was Weihnachten ist. Denn im Himmel sprach niemand über das Weihnachtsfest auf der Erde. Als er einen der älteren Engel darüber ausfragen wollte, antwortete  dieser schroff mit den Worten:“ Ha, die Menschen feiern zwar, aber es ist nicht das Weihnachten, so wir uns das vorstellen. Ich mag gar nicht darüber reden. Es  macht mich zu traurig. Also hör mir auf mit diesen Fragen.“

 

So beschloss der kleine Engel auf die Erde zu fliegen und selbst herauszufinden, was und wie, den die Erdenmenschen Weihnachten feiern würden.

 

Leise mit sanften Flügeln flog er auf die Erde und landete in einer Stadt. Frauen, Männer und Kinder schwirrten nur so um ihn herum. Alle schienen es eilig zu haben.

 

Da sah er einen jungen Burschen der trotz der Kälte auf einer Stufe sass und  ganz schnell in einen kleinen Kasten tippte. Neugierig ging der Engel zu ihm und fragte:“ Was machst du da?“ Hä?“ fragte der Junge zurück. Der Engel zeigte auf das Gerät das der Junge in der Hand hielt:“ Das da, was ist das und was machst du damit?“

 

Der Junge sah ihn erstaunt an und erklärte ihm dann kopfschüttelnd :“ Das ist ein Handy, das weiss doch jeder. Und ich schreibe Weihnachtsgrüsse an alle. Das ist voll super und praktisch. Ich kann eine Nachricht schreiben und an zehn Freunden versenden. Cool gel.“ Der Junge strahlte. Der Engel verstand zwar gar nichts. Denn Weihnachtsgrüsse wurden im Himmel jedem persönlich abgegeben. Die Freude zu sehen, wie sich der andere Engel über die Grüsse und Wünsche freute, das würde er nie missen wollen.

 

Der junge Bursche begutachte den Engel jetzt näher und kam zu dem Schluss;“ Du bist ein komischer Kautz, von wo kommst du den her? Aus dem Urwald oder was?“ Er lachte. Der Engel fand es aber gar nicht lustig: „ Ich? Dumme Frage ich komme geradewegs aus dem Himmel um zu erfahren wie ihr Weihnachten feiert!“ Jetzt war der Junge nicht mehr zu halten. Er lachte und lachte. „Vom Himmel, haha und Weihnachten feiern? Vergiss es. Ich bin froh wenn es wieder vorbei ist.“

 

Jetzt verstand der Engel gar nichts mehr. Wie kann man sich nur wünschen, das Weihnachten schnell vorbei ist? Im Himmel wünschen sich alle dass es nie endet. Die Wärme, das Zusammensein, die Freude, das Glück darüber das Gott sich  uns zeigt. Das war doch das Wunderbare an Weihnachten.

 

“ Bitte sag mir was ist für euch Menschen Weihnachten.“

 

Der Junge sah ihn mit traurigen Augen an und antwortete ihm:“ Du bist wirklich von einem anderen Stern. Sieh dich doch um. Die gestressten Menschen, die alle noch auf der Suche nach exklusiven Geschenken sind. Du willst wissen wie Weihnachten bei uns ist, nun das erzähle ich dir gerne: Weihnachten ist nämlich dann, wenn unter dem Christbaum teure und überflüssige Geschenke liegen, wenn meine Mutter schon Wochen vorher das ganze Haus auf Hochglanz poliert und völlig gestresst in der Küche steht. Weihnachten ist, wenn mein Vater schlechte Laune hat, weil die  ganze Familie am Heiligen Abend bei uns feiert und er dann nicht den ganzen Abend vorm Fernseher sitzen kann. Weihnachten ist dann, wenn am Anfang vom Abend alle  so tun als ob sie sich total gern hätten Und je später der Abend desto mehr Streitereien gibt es. Die Frauen zicken, die Kinder sind weinerlich und die Männer widmen sich dem Alkohol. Weihnachten ist dann wenn mein kleiner Neffe mich fragt: Was ist das für ein Kind, das in der Krippe unter dem Weihnachtsbaum liegt. Ich sag dir, da wird’s mir anders. Ich würde lieber an diesen Abend bei meinen Freunden sein und abhängen. Sag, willst du immer noch mit uns Menschen Weihnachten feiern?“ Der Engel spürte einen tiefen Schmerz in seinem Herzen. Er vergass sich sogar bei dem Jungen für die ehrliche Antwort zu bedanken.

 

Er wollte nur weg. Plötzlich fror er  und er war unendlich traurig. So sehr, dass er es nicht beschreiben konnte. Jetzt verstand er warum die älteren Engel ihm nichts darüber erzählen wollten. Sie wussten, wie sehr er Weihnachten und das ganze Drum Herum liebte.

 

Er breitete seine  Flügel aus und da seine Augen blind vor Tränen waren, sah er nicht einmal wohin er flog. Als er müde wurde und es schon dunkel war ruhte er sich auf einem Baumstumpf aus. In der Nähe konnte er  einen Stall riechen. Und er sah ein kleines, warmes Licht flackern. Das Muhen der Kühe und das Blöcken der Schafe waren  auch ganz leise zu hören. Das tröstete ihn ein wenig, denn war nicht auch Gottes Sohn in einem Stall geboren? Da legte sich eine Hand auf seine Schulter. Er drehte den Kopf und sah in ein altes faltiges Gesicht das ihn mit warmen und wachen Augen ansahen. In seinen Armen trug er ein Bündel. Der Engel konnte nicht erkennen was es war. Der Alte fragte ihn freundlich: „Was machst du den da draussen am Heiligen Abend. Ganz alleine? Und frieren tust du sicher auch.“

 

Soviel Zeit war schon vergangen? Er musste Stunden, nein Tage geflogen sein. Schon war Weihnachten vor der Türe. Oh je und er war hier auf der Erde und nicht im Himmel. Schon wollte er sich auf den Weg in den Himmel Menschen zu den Seinen machen, als der alte Mann  das Bündel in seinen Armen öffnete und sagte:“ Schau da, das Lamm ist vor einer Stunde auf die Welt gekommen. Heute am 24.Dezember. Wie das Jesuskind. Ist das nicht schön? Ein Gottesgeschenk! Komm wir zeigen es den anderen, wie werden sich die Kinder freuen. Ein Weihnachtslämmchen.“ Als der Engel zögerte, nahm ihn der alte Mann an der Hand und sagte: “Komm niemand soll am Heiligen Abend, am Geburtstag unseres Herrn alleine sein.“ So ging der Engel mit.

 

Sie betraten ein kleines Holzhaus. Die Tür quietschte als der Mann sie öffnete und der Holzboden unter ihren Füssen knarrte und ächzte.

 

Aber was war das? Der kleine Engel hörte Lachen und Singen. Er roch Orangen und Zimt und vor allem als er in die Stube kam, sah er Menschen die soviel Geborgenheit und Liebe ausstrahlten, das er meinte er wäre wieder im Himmel.

 

Die Menschen rückten zusammen und forderten ihn auf Platz zu nehmen. „Sei willkommen und iss.“ Empfing eine Frau mit roten Wangen und einem fröhlichen Lachen. Die Menschen rückten zusammen und boten ihm an ihr einfaches Mahl, mit ihm zu teilen.. Der Tisch war liebevoll gedeckt mit Brot Käse, Tannenzapfen und verschieden farbige  Kerzen Es gab feinen  Orangenpunch und ganz viele Weihnachtskekse. Mhm, wie das dufte. Die Kinder am Tisch lachten  und die Alten scherzten untereinander. Nein, hier gab es keinen Streit oder Stress. Bevor sie zu essen begannen stand der alte Mann auf und klopfte mit den Löffel auf ein Glas:“ Kinder, ich hab ein besonders Geschenk für euch.“ Die Kinder schrien und juchzten obwohl d sie das Geschenk noch gar nicht gesehen hatten. „“Kommt her.“ forderte er sie auf. Er wickelte das Lämmchen aus dem Tuch und legte es in das bereit gemachte Stroh. Alle wurden ganz ruhig und andächtig: “So lasst uns jetzt beten und dem Herrgott danken für diese Lamm, für das Essen und für unser Zusammensein und das er uns einen  Gast geschickt hat.“ Er zwinkerte dem Engel zu und da wusste der Engel, dass der Alte wusste wer er war. “Aber am meisten sollten wir danken, dass Gott heute Nacht Mensch geworden ist.“ Und alle falteten die Hände zum Gebet und dankten Gott. Da wusste der Engel: Hier war Weihnachten. Diese Menschen hatten ihren Reichtum  in ihren Herzen.

 

Hier konnte wahrlich Gott Mensch werden.

 

Zufrieden und glücklich im Herzen flog der Engel wieder zurück in den Himmel. Nur eine Feder erinnert die Menschen daran, dass er dort war.

 

http://images.suedtirolnews.it/uploads/pics/engel-kerze-sym_Hans-Heindl-pi_03.jpg

 

 

Der Hirtenjunge

 

 Ein Hirtenjunge beschloss seinen Beruf der nicht besonders einträglich war, aufzugeben. „Was bringt es mir schon, immer Schafe zu hüten? Schafe die nicht einmal mir gehören. Ich will fort gehen und das Glück suchen. Ich möchte reich werden  und mit ein Haus aus Gold und Silber bauen.“ Der Hirtenjunge erzählte allen anderen Hirten, dass er sich jetzt die Welt ansehen und das Glück suchen würde. Die lachten ihn aber nur aus.
Nur der alte Jonas mit dem schneeweissen Haar, der schon seit Jahrzehnten auf der Weide die Schafe hütete, lachte nicht mit, sondern beobachtete das Treiben mit einem Stirnrunzeln seiner Jüngsten eine Weile. Die anderen Hirten waren ruhig geworden, denn sie hatten grossen Respekt vor dem alten Mann. Auch waren sie neugierig was wohl er zu dieser Idee sagen würde. „Geh in die Welt und erkunde sie, such dein Glück und finde deinen Reichtum. Aber vergiss nie wo dein Zuhause ist. Und mach den Menschen Freude  wo immer du bist.“
Der alte Hirte gab ihm eine Laterne in die eine einzelne Kerze sanft im Wind flatterte.“ Hier mein Junge, nimm dieses Licht. Es wird dir den Weg zeigen.“

 

Die andern Hirten waren berührt von den Worten des alten Jonas und sie fühlten sich jetzt nicht mehr so stark in ihrem Spott. Und so beschlossen sie, dass jeder ihm etwas mitgeben würde.
 Zum Schluss hatte der kleine Hirt ein grosses Stück Käse und einen Laib Brot, ein weiches Schaffell und eine alte Wasserflasche.

 

Ohne einen Blick zurück, ging er mit festen Schritten in sein Abenteuer hinaus. Er lief in den Morgen hinein, rastete nur kurz am Mittag und trank nur ein bisschen Wasser und ass wenig Brot, weil er wusste das sein Essen einteilen musste. Die Laterne in der Hand ging er weiter über Stock und Stein, über Gebirge vorbei an trüben Gewässern.
 Auf seiner Wanderung begegneten ihm viele Menschen die dankbar waren über sein Licht, das unermüdlich schien. Die Kerze schien nicht auszugehen oder kleiner zu werden. Und immer wieder bekam er zu Essen oder einen Schlafplatz. Er bedankte sich immer höflich, bevor er wieder weiterzog sein Glück und seinen Reichtum zu finden. Nie musste er Hunger leiden, nie im Freien übernachten.
Es war als ob die Laterne vom alten Jonas ihn beschütze. Eines Tages sah er einen grossen hellen Stern am Himmel. „Oh der leuchtet aber hell. Was ist das nur für ein Stern?“ staunte er
„Der Stern bewegt sich, ich will ihm folgen und sehen wohin er mich führt. Vielleicht zu einem König, oder zu einem Schatz, wer weiss?“ Mit plötzlicher Freude erfüllt über sein Ziel folgte er dem Stern.

 

Über einem Stall blieb der Stern stehen und der Hirt hielt unsicher an.“ Über so einen verwahrlosten Stall leuchtet der Stern am hellsten? Das kann nicht sein, ich habe mich sicher verirrt oder bin dem falschen Stern gefolgt. Hier gibt es weder Schätze noch einen König „ Der Hirt war enttäuscht und traurig.
Da hörte er eine junge Frauenstimme sagen:“ Oh wenn wir nur ein Licht hätten damit wir unser Kind betrachten können. Das wäre jetzt wie ein Geschenk für uns.“
Da ging er schnell durch die kleine Luke hinein und hielt die Laterne hoch damit er den Stall erleuchten konnte. Im Stroh neben dem Esel und einem Ochsen, sassen ein junger Mann und eine Frau die ein Kind in den Armen hielt.
Die junge Frau lächelte ihm dankbar zu:“ Danke das du gekommen bist und uns Licht bringst.“
Obwohl er nur eine kleine Kerze in der Laterne hatte war der ganze Stall bis in die letzte Ecke erleuchtet.
Er setzte sich zu ihnen und fühlte Wärme in sich aufsteigen als er das Kind ansah.
Da fiel ein Schatten in den kleinen Eingang des Stalls und seine Familie die Hirten die ihn aufgezogen hatten, standen vor der Türe. Sogar der alte Jonas war da. Er lächelte und seine alten Augen strahlten.
„ Was macht ihr hier?“ Stotterte der kleine Hirt.
„Hast du wirklich gedacht, wir würden dich alleine auf so einen gefährlichen Weg lassen?“ Der alte Hirt legte den Arm um den kleinen Hirten und flüsterte ihm ins Ohr: “Du gehörst zu uns, bei uns bist du doch daheim“
Die anderen Hirten standen nun alle um das junge Paar und bestaunten das neugeborene Kind das jetzt selig in der Futterkrippe schlief.
Der kleine Hirt spürte wie ihn die Liebe zu diesen Menschen erfüllte und er wusste in diesem Augenblick dass das grösste Glück diese Menschen waren, die ihn über alles liebten. Ihre Liebe machte ihn reich, reicher als alles Gold und Silber der Welt. Bei ihnen war er und sein Herz zuhause.

                                                                                                                               Cristina Wunder