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Der Kuss

"Mit einem Kuss verrätst du mich."
Jesus wird am Ölberg gefangen genommen, heute Nacht am Hohen Donnerstag. Und seine Worte gelten einem seiner besten Freunde, Judas.

Mit einem Kuss verrät Judas den römischen Soldaten, welcher von seinen Freunden der Mann ist, den sie suchen.

Und mit dieser Umarmung beginnt die Nacht voller Mystik, Leiden, Quälerei und Emotionen.

Ein Mensch, der sich solidarisch für die Armen und Aussätzigen eingesetzt hat, der den Menschen Mut machte und sie aus ihrer Lethargie geholt hatte, wird zur Schlachtbank geführt. Der Kuss von Judas ist sozusagen sein Todesurteil.

Manchmal küsse ich auch Menschen auf die Wange, als Gruss oder Verabschiedung. Obwohl ich es nicht möchte. Aber hier ist es eine Tradition. Würde ich mich weigern, wären einige Bekannte wohl vor dem Kopf gestossen.

Aber eigentlich ist es nicht ehrlich von mir. Denn ein Kuss ist eine sehr intime und persönliche Geste. Ein Kuss heisst: "Du bedeutest mir etwas".

Wie enttäuscht war wohl Jesus, als er den Verrat bemerkte? In dieser Nacht, die so unendlich traurig und schwer ist, wird er wohl viel darüber nachgedacht haben, dass ihn einer seiner liebsten Freunde mit einer unehrlichen Umarmung  an seine Feinde verkauft hat.

In dieser Nacht, möchte ich darüber nachdenken, wie oberflächlich ich oft Bekannte umarme und küsse.

Es sind doch sehr oft "Judasküsse". Zwar löst mein Kuss keine Verhaftung aus, aber er kommt nicht aus meinem Herzen. Und ist das nicht auch Verrat?

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Erika Pendl (Donnerstag, 29 März 2018 20:13)

    Eigentlich hast du recht.,man küsst manchmal Leute,die man vielleicht nicht so mag,aber alle machen es so!?