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Nein, danke

„Nein, danke.“ Freundlich, aber bestimmt, lehne ich das Glas Wein ab, das mir meine Gastgeberin geben will. Ungläubige Blicke werden mir zugeworfen, als ich auf die Frage: "Warum nicht?" mit “Ich faste“ antworte.
Eine Bekannte ereifert sich sofort: "Du bist doch sonst schon so dünn, jetzt machst du auch noch Diät, das ist doch gefährlich.“ Alle nicken ihr zustimmend zu. Bevor ich hier mit sorgevollen Tipps überhäuft werde, löse ich das Rätsel um mein Fasten auf. “Ich mache keine Diät, sondern ich verzichte vierzig Tage auf Genussmittel."  „Aus welchem Grund?“, fragt da jemand. „Weil seit dem Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen hat.“ „Ich dachte, der Aschermittwoch ist da, um sich vom Fasching zu erholen.“ Allgemeines Gelächter am Tisch.

Nur ich bin ernst geblieben. Nein, ich bin kein Spassverderber. Aber im Moment fühle ich mich nicht sehr ernst genommen. „Also, ich halte keine Schönheitsdiät, sondern ich übe mich im Verzichten. Ich möchte bewusst auf Dinge verzichten, die für uns alltäglich sind, aber in anderen Ländern Luxusgüter. Darum habe ich mich für Schokolade und Alkohol entschieden“, versuche ich sie aufzuklären. Es gibt Leute, die akzeptieren mein Fasten, andere bewundern es, einige können es nicht verstehen. Hier in dieser Runde geht es mir genauso so. Jemand schüttelt leicht den Kopf über mich, ein anderer sagt: „Aber heute kannst du doch eine Ausnahme machen.“ Oder: "Warum soll ich verzichten, wenn ich es doch so leicht haben kann?“ Nun, dieser Mensch hat meine Botschaft nicht verstanden. Schade.

Und genau in diesen Situationen, in denen man eingeladen ist und jeder ein Glas Wein trinkt, wird es mir bewusst. So fühlen sich wahrscheinlich die Menschen am anderen Teil der Erde. Ich fühle mich auch, als ob ich nicht dazu gehöre - zu denen, die trinken und essen im Übermass. Auch macht es mich traurig und ich schäme mich für die Oberflächlichkeit der Menschheit. Alle stossen jetzt an und ignorieren mich jetzt einfach.

Und da taucht in meinem Kopf ein Bild auf: Die Menschen der ersten Welt prosten sich lachend mit prall gefüllten Bäuchen zu, obwohl unter dem Tisch Menschen dem Hunger erliegen…

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