Frieden spielen

Aus meinem Wohnzimmer dringen Schüsse. Nein, nein, ihr müsst euch keine Sorgen machen. Mein Sohn gamt irgend so ein Kriegsspiel. Auf dem Bildschirm erschiessen sich Männer in Militärkleidern gegenseitig.

Mein Sohn hebt nicht einmal den Kopf als ich herein komme, er ist voll im Spiel vertieft und schreit: "Stirb, jetzt hab ich dich... wo kommt der denn her? Oh nein, jetzt muss ich sterben!"

Ich glaube es nicht. Jahrelang habe ich versucht, Kriegsspielzeug von ihm fernzuhalten. Bis anhin dachte ich, es sei mir gelungen. Und jetzt mit 25 Jahren spielt er Krieg?

"Geht gar nicht!", unterbreche ich seine Schiesserei. Er: "Hä?" Ich: "Wir haben genug Krieg auf der Welt. Ich finde es geschmacklos, dass du solche Spiele spielst."

Ich hoffe, er kommt jetzt nicht mit der Antwort: 'Ist ja nur ein Spiel.' Er sieht mich an und erwidert: "Was soll ich denn sonst spielen?"

"Wie wär es mit Frieden?", schlage ich ihm vor.

"Poah, Mum, das wäre doch langweilig."

 

Am darauf folgenden Tag möchte ich die Meinung meiner Schüler dazu wissen. Alle sind sich einig: "Frieden spielen wäre sowas von langweilig."

Hm, überlege ich mir. Was sind wir nur für eine Spezies, dass wir Frieden langweilig finden?

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