Alles gut?

Wir haben beschlossen, dem grauen Herbst zu entfliehen und sind in die Sonne geflogen. Eine wunderbare Hotelanlage wie im Märchen aus 1001 Nacht empfängt uns. Die Sonne brennt uns alle Alltagssorgen weg und das blaue warme Meer heisst uns willkommen.

Da wir All-Inclusive gebucht haben, werden wir den ganzen Tag über mit Getränken aller Art versorgt. Die Menschen sind sehr zuvorkommend und sogar der Strassenkehrer am Morgen lächelt uns zu und fragt uns: „Alles gut?“ Es scheint, dass hier nicht nur das Essen und Trinken inklusiv ist, sondern auch die Freundlichkeit.

Und ich muss sogar die Schwarzmaler belehren, die mich vorgängig warnten, dass Frauen hier in Ägypten schlecht behandelt werden. Nun, davon spüre ich nichts. Aber vielleicht auch, weil ich jedem mit Respekt begegne. Hier herrschen eben andere Sitten, aber mit dem kann ich gut leben. Ich vermisse ja nichts. Und ich habe auch nicht vor, für immer hier zu leben.

Also, warum fällt es uns Menschen manchmal so schwer sich anzupassen? Und mancher Europäer ist nicht so höflich wie diese Menschen hier. Vielleicht bin ich naiv, aber ich bin sicher, diese Höflichkeit ist echt. Eben All-Inclusive!

Langsam geht die Sonne unter und taucht den Strand in goldenes Licht, so dass jedes Sandkörnchen in der Abendsonne glitzert. Das Meer wird ruhiger und es ist, als ob es sich in den Schlaf wiegt. Gerade geht der Kameltreiber mit seinem Kamel gemächlich vorbei und er lächelt mir zu. Sein Gesicht sieht aus wie altes zerknittertes Pergamentpapier, das zu lange in der Sonne gelegen hat. Sogar das Kamel sieht aus, als ob es grinst.

Alles gut? Alles gut!

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