Hallo Du

Ich bin auf einem Fest eingeladen. Beim Vorstellen begrüsst man sich mit Vornamen und lockerem „Du“. Als ich als junge Frau hier in dieses schöne Land kam, irritierte mich das am Anfang. Jedem einfach „Du" sagen, sogar dem Chef? Für mich als junge Frau schon sehr speziell damals. Denn in Österreich sind wir auch offen, aber jedem sofort das Du anbieten, das machen wir in unserer Region nun doch nicht. Meinen Chef duzen wohl auch eher nicht. Ich habe sogar meine Grosstante noch mit „Ihr“ angeredet. Also zweite Person Plural! Nein, ich bin noch nicht so alt, wie Sie jetzt vielleicht denken.

Vielleicht klinge ich jetzt ein bisschen kleinkariert und altmodisch, aber immer mag ich das nicht so gerne, einfach zum Du überzugehen. Ich bin ja nicht auf der Alp, wo es passt. Zurück zu diesem Fest. Ich werde diese Menschen wahrscheinlich nie mehr wiedersehen, ich finde vielleicht auch nicht jeden sympathisch, trotzdem habe ich ihn mit „Du“ begrüsst. Musste ich ja fast, weil es alle so machen – aber das ist dann ein anders Thema.
Für mich bist „Du“ sagen etwas sehr Persönliches und Vertrautes. Wenn ich meinen Schülern nach drei Jahren am Schulschluss das Du anbiete, fühlen sich die meisten geehrt. Und da frage ich mich, sollte es nicht so sein? Dass das Anbieten des „Du“ etwas Besonderes ist? Auch ich freue mich immer sehr auf diesen letzten Akt am Ende der Schulzeit.
Ich denke, der Respekt der Schüler und Schülerinnen ist so auch länger vorhanden. Meine Mutter pflegte zu sagen: „‚Sie Depp‘ sagt niemand so schnell, aber ‚Du Depp‘ schon…“.

Also vielleicht bin ich dann am nächsten Fest einfach ehrlich und stelle mich mit Pendl vor. Hoffentlich lädt ihr mich trotzdem ein?

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